Max Eyth - die Wanderjahre

Lokomobil zum Ziehen eines Dampfpfluges

1868 ist Eyth wieder in England.

Und nun beginnen seine eigentlichen Wanderjahre. Er wird der wichtigste Auslandsvertreter seines Unternehmens, der in der Welt herumreist, der wirbt, verkauft und anlernt, denn mit der Anwendung der Dampfpflüge und Lokomobilen ist ja immer eine Betriebsumstellung verbunden. Er bringt große Aufträge herein, die auch ihn allmählich zu einem vermögenden Mann machen. Zwischendurch ist er immer wieder in Leeds, um nach seinen weitgestreuten Erfahrungen an der Verbesserung der Maschinen zu arbeiten und neue Patente einzubringen, die sich nun nicht mehr auf landwirtschaftliche Maschinen beschränken. So sehen wir ihn ständig unterwegs, in fast allen europäischen Ländern, in Nord-und Südamerika, wieder in Ägypten und anderen afrikanischen Ländern, auch auf den Antillen, in Trinidad stellt er die Dampfpflüge vor. Dabei sollten wir daran denken, daß das Reisen zwischen 1860 und 1880 noch nicht so bequem und zügig vor sich ging wie heute mit dem Flugzeug und oft mit mancherlei Abenteuern verbunden war.

 

 

Weiter hat er seine Firma auf den Weltausstellungen in Wien 1873 und in Paris 1878 zu vertreten, was mit Auf- und Abbau jedesmal ein halbes Jahr in Anspruch nahm. Ebenso sehen wir ihn auf den jährlichen Wanderausstellungen der Englischen Landwirtschaftsgesellschaft, auf denen er den Maschinen und Geräten seines Hauses mit Preisen und Auszeichnungen in den verschiedenen Wettbewerben und Prüfungen zum Erfolge verhilft. So sammelt er große Erfahrungen in dem damals im Zuge der industriellen Entwicklung mächtig aufblühenden Ausstellungswesen. Er lernt die Bedeutung und Ausstrahlung der Ausstellungen für den technischen Fortschritt kennen, der mit dem beginnenden Weltverkehr allmählich alle Erdteile umspannt.

Inzwischen war aber in Leeds eine neue Generation herangewachsen. Der alte John Fowler, der Erfinder des Dampfpfluges und der Gründer des Unternehmens, war 1864 gestorben. Mehrere Brüder von John Fowler und

 

"Ich habe mich ernstlich zu fragen, soll und will ich den offenen Kampf gegen die junge Brut aufnehmen. Ich stand mit dem alten Greig und seinem ganzen Haus jahrzehntelang auf so freundlichem Fuß, daß mir der Gedanke peinlich ist. Ich verdanke ihm viel, er mir allerdings auch, denn ich habe ihm aus hundert theoretischen und technischen Nöten geholfen, und er hat den Löwenanteil auch meiner Arbeit selbstverständlich eingesteckt. Trotzdem nähme ich einen Bruch, der wohl unvermeidlich ist, schwer. Andererseits: wäre es nicht an der Zeit, daß ich versuche, "to paddle my own canoe", wie es in einem netten englischen Lied heißt, mein eignes Boot zu rudern? Der Gedanke lockt mich gewaltig, selbst ohne daß ich weiß, wohin mich das Paddeln führen mag."

 

Und am 7. Mai 1882 fügt er hinzu:

"Der Würfel ist gefallen. Es ist gekommen, wie es kommen mußte und was seit einem Jahr in und außer mir heranreifte. Mit Ende Juni verlasse ich meine Stellung in Leeds. Ich habe seit mehr als 20 Jahren in fremdem Lande gedient und freue mich der Aussicht, meine Heimat und meine Freiheit wieder zu gewinnen. Die Form, in der ich kündige, macht einen Rückzug unmöglich, doch wird die Trennung in der ehrenvollsten und zugleich freundlichsten Weise vor sich gehen. Für alles Gute, was ich während dieser langen Zelt von Seiten der Fowlers genossen habe, werde ich stets dankbar bleiben, wenn auch nicht in dem Sinn einer englischen Definition, wonach Dankbarkeit ein lebhaftes Gefühl zu erwartender Wohltaten ist."

So nimmt Eyth nobel, aber selbstbewußt Abschied von England. Zu einer letzten Skizze von der St. Pauls Kathedrale in London dichtet er sich selbst einen Frachtbrief nach Deutschland:

"Mit einem Köfferlein niedlich und klein

zog ich einst in die Welt hinein,

mit Kisten und Kasten,

an die zwanzig Lasten,

komm ich heut wieder,

vielleicht für immer zu rasten.

All das in kurzer Frist,

nun es gewogen ist,

weiß ich wie leicht mirs war, -

und wie schwer mir ist."

 

 

Quelle: Dr. Rudolf Lais "Das war Max Eyth 1836 bis 1906"

(Der Kunstverein Ulm führte 1975 eine Ausstellung durch, in der Reiseaquarelle und Zeichnungen von Max Eyth gezeigt wurden. Aus diesem Anlaß hielt der ehemalige Hauptgeschäftsführer der DLG, Dr. Rudolf Lais, einen Vortrag.)