Max Eyth - der Schriftsteller und Kulturliebhaber

1898: In Ulm arbeitet er zuerst an einem Buch "Hinter Pflug und Schraubstock", in dem er Skizzen aus seinem Leben zu selbstbiographischen humorvollen Erzählungen verarbeitet, auch einige Gedichte einfließen läßt. Das 1898 erschienene Buch wird sein bekanntestes, es erreicht eine Auflage von über 340.000 Exemplaren.

 

Dann folgt der "Kampf um die Cheopspyramide", der 1902 erscheint. Ägypten hat ihn seit seinem ersten Aufenthalt als Chefingenieur von Halim Pascha nicht wieder losgelassen. Immer wieder hält er Vorträge und veröffentlicht wirtschaftliche und literarische Arbeiten über dieses Land. Die Geographische Gesellschaft in Berlin veranstaltet 1890 eine Ausstellung seiner Zeichnungen und Aquarelle aus Ägypten. In seinem Roman erzählt Eyth die Geschichte vom Streit der beiden englischen Brüder über den Nutzen der Cheopspyramide. Für den einen, den Idealisten und phantastischen Träumer, ist die Pyramide ein Heiligtum, ein Symbol der Vergangenheit, das der Menschheit viel gibt, und das er deshalb mit einer Mauer schützen will. Für den anderen, den Realisten und praktischen Weltmann, ist die Pyramide ein sinnloser Steinhaufen, den er zum Bau eines Staudamms zur Bewässerung des Nildeltas verwenden möchte. Der Vizekönig erhört keinen von beiden und so steht die Pyramide heute noch und der Staudamm von Assuan wird auch gebaut. Auch dieser Roman enthält manches Selbstbiographische und Eyth tritt selbst darin auf.

 

Während er noch an diesem Roman schreibt, erhält er von seinem Heidelberger Verleger die Anregung, die sechs Bände seines "Wanderbuch eines Ingenieurs" zu überarbeiten und mit etwa 100 seiner Bilder neu herauszugeben. Das ist auch für den fleißigen Eyth eine harte Nuss. Er schreibt alles selbst mit der Hard und kann alg gewissenhafter und gründlicher Arbeiter nur etwa 8 bis 10 Manuskriptseiten schaffen am Tag, dabei muss er jeweils 700 Seiten zu etwa 350 "zusammenkochen", wie er selbst sagt. Und zwischendurch hat er viele andere Abhaltungen, hält Vorträge, schreibt Aufsätze, wird als Sachverständiger herangezogen, reist regelmäßig nach Berlin zu den Vorstandssitzungen der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft, deren lebenslängliches Vorstandsmitglied er ist, besucht ihre jährlichen Wanderausstellungen und verbringt seine gewohnten Sommerferien in den geliebten Alpen, wovon viele seiner Zeichnungen Zeugnis ablegen.

 

Die überarbeiteten Wanderbücher erscheinen 1903 und 1904 unter dem Titel "Im Strom der Zeit" und beschreiben seine Lehr-, Wander- und Meisterjahre bis zu seinem Umzug nach Ulm. Lange schon beschäftigt ihn auch der Gedanke, die Geschichte des unglücklichen Schneiders Berblinger zu erzählen, den von Jugend an die Idee umtreibt, eine Flugvorrichtung zu erfinden. Hier entsteht ein Ulmer Roman, zu dem er gründliche Studien in der Ulmer Stadtgeschichte vornimmt, ja sogar als 68-jähriger Geheimrat einige Zeit in die Lehre zum Schneidermeister Glöckle geht, um die Atmosphäre des Schneiderhandwerks und die Handgriffe kennenzulernen, damit er sie milieugerecht schildern kann. Am 28. April 1906 ist er mit dem Manuskript fertig, das Erscheinen seines "Schneider von Ulm" hat er nicht mehr erlebt.

 

Der gesamte schriftstellerische Nachlaß von Max Eyth liegt im Deutschen Literaturarchiv des Schiller-National-Museums in Marbach am Neckar. Er ist sehr umfangreich. Über ihn selbst geben seine vielen Briefe und seine 40 Tagebücher Aufschluß, die sich auch in Marbach befinden. Von 1866 an bis zu seinem Tode 1906 hat er fast täglich Eintragungen gemacht, die wichtige Erlebnisse und Tagesereignisse, persönliche Dinge und allgemeine Betrachtungen enthalten, so dass sie ein lebendiges Bild seiner Zeit darstellen. Diese Tagebücher entfalten keinen literarischen Ehrgeiz, sie waren nicht zur Veröffentlichung gedacht, in ihnen notiert er auch immer wieder humorvolle Begebenheiten. So zum Beispiel am 31. Oktober 1902:

 

"Rede eines Stadtbaumeisters von Ulm bei der Einweihung und Übergabe des Schlüssels eines städtischen Neubaus: er tritt mit dem Schlüssel vor den versammelten Stadtrat und sagt: "Do hen't ern!"

 

Sicher die kürzeste Einweihungsrede, die je in Ulm gehalten wurde.

Über die Darstellung seines Lebens und seiner Werke ist aber der Mensch Max Eyth zu kurz gekommen. Wir müssen nachtragen, dass er zahlreiche Ehrungen empfing. Viele Landesfürsten verliehen ihm ihre Orden, der Bremer Senat, der keine Orden verleiht, ehrt ihn mit 500 Flaschen Wein aus dem Bremer Ratskeller. Zahlreiche wissenschaftliche Gesellschaften des In- und Auslandes machen ihn zu ihrem Ehrenmitglied, die Technische Hochschule Stuttgart ernennt ihn zu ihrem ersten Ehrendoktor, er wird Geheimer Hofrat und erhält den höchsten württembergischen Orden, der mit dem persönlichen Adel verbunden ist. Sogar ein Reichstags- und ein Landtagsmandat werden ihm angeboten, die er aber beide ablehnt.

 

Aus seinen Tagebüchern wissen wir, dass er der Musik ergeben ist. Überall, wo er längere Zeit verweilt, beschafft er sich ein Klavier, um abends Mozart oder Schumann zu spielen. Kaum in Leeds angekommen, mit 30 Schilling Wochenlohn, mietet er ein Klavier, in Schubra am Nil stellt er sich eins in sein Zelt. 1894 schenkt ihm der Vorstand der DLG einen Bechsteinflügel, den er auf seinen Athos nach Ulm mitnimmt, um sich von seinem angestrengten Schriftstellerdasein mit musikalischen Träumereien zu erholen.

Eyth besucht, so oft es nur geht, Opern, Theater und Konzerte, manchmal jeden Abend, besonders in seiner Berliner Zeit. In seinen Tagebuchnotizen finden sich prachtvolle Bemerkungen darüber. Er liest sehr viel und ist mit der zeitgenössischen Literatur durchaus vertraut, besonders Emile Zola hat es ihm angetan.

 

Auch ist Max Eyth ein sehr geselliger Mensch, er sitzt gern mit Freunden und Bekannten zusammen, pokuliert mit ihnen. Er ist ein gern gesehener anregender Gesellschafter, der viel eingeladen wird. Dabei ist er sein Leben lang ein eingefleischter Junggeselle geblieben, der alle Bemühungen seiner Freunde, ihn zu verheiraten, humorvoll ablehnt. Nur ein einziges Mal hat er sich gründlich verliebt, wie er selbst kurz bemerkt, sonst finden wir in seinen nur für ihn bestimmten Tagebüchern keinen Anhalt für eine Gefahr des Hagestolzen, sondern immer nur spöttelnde Bemerkungen über Liebesangelegenheiten.

 

Und daneben ist Eyth ein eifriger Briefschreiber. In seiner fast gestochenen, schwunghaften Schrift führt er seinen Briefwechsel mit vielen Freunden und bekannten Zeitgenossen. Die Schriftstellerin Lili Du Bois Reymond, mit der er bis zu seinem Tode freundschaftlich verbunden war, hat einen Band "Max Eyths Freundesbriefe" veröffentlicht.

 

Nur kurz können seine philosophischen Bemühungen gestreift werden, die sich mit dem Einfluß der Technik auf die menschliche Entwicklung beschäftigen. In mehreren Aufsätzen und Vorträgen beschäftigt er sich mit der geistesgeschichtlichen Deutung der Technik, der Philosophie des Erfindens und in seinem wohl reifsten Beitrag dazu: "Poesie und Technik" versucht er nachzuweisen, dass die Technik trotz ihres Gebundenseins an die stoffliche Welt etwas von der Grenzenlosigkeit des reinen Geisteslebens übernommen hat.

(Quelle: Dr. Rudolf Lais "Das war Max Eyth 1836 bis 1906" )